Orthomolekulare Medizin

Orthomolekulare Medizin

Seit der Begriff „Anti-Aging-Medizin“ Einzug in unserer Gesellsacht gehalten hat, entwickelt sich das Fachgebiet der orthomolekularen Medizin auch in Europa zu einem Trend.

Der Begriff „orthomolekular“ leitet sich ab von orthos (griechisch) = richtig, gut und molekular (lateinisch) = Molekül, Baustein von Substanzen.

Der Ursprung dieser Wissenschaft wurde 1968 von dem zweifachen Nobelpreisträger Prof. Linus Pauhing in den USA gelegt. Er entwickelte ein neues medizinisches Verfahren zur Prävention und Therapie von Krankheiten. Ob Stoffwechselaktivität, Gehirnleistung, Nervenimpulsübertragung, Muskelkontraktion oder Herzschlag – alle Lebensprozesse können nur dann reibungslos ablaufen, wenn jede einzelne Zelle mit den für Ihre Funktion spezifischen Vitalstoffen in ausreichender Menge und im richtigen Verhältnis zueinander versorgt ist.

Diese Zellnahrung ist die „Mutter unserer Gesundheit“. Denn ein Ungleichgewicht von lebensnotwendigen Bausteinen kann schnell zum Nährboden für Fehlbelastungen und organischen Funktionsstörungen werden. Die Hälfte der sogenannten „Zivilisations-krankheiten“ wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes oder Störungen des Bewegungsapparates sind ernährungsbedingt.

Die orthomolekularen Medizin versteht sich als Präventivmedizin und verfolgt wichtige therapeutische Prinzipien. Um den kranken Organismus umzustimmen und wieder ins Gleichgewicht zu bringen, werden ausschließlich körpereigene Substanzen verwendet. Mehr als 40 Vitalstoffe sind für einen reibungslosen Ablauf im Körper verantwortlich. Dazu zählen Vitamine, Spurenelemente, Mineralstoffe, Aminosäuren und essentiellen Fettsäuren, die der menschliche Körper nicht selbst synthetisieren kann. Wir sind daher auf eine tägliche Zufuhr über der Nahrung angewiesen. So ist der individuelle Vitalstoffstatus von vielen äußeren und inneren Faktoren abhängig, je nach Ernährungs- und Lebensgewohnheiten, Alter, Gesundheit oder Umwelteinflüssen.

Ungünstige Bilanz:
Inzwischen lässt sich der Verlust von Vitaminen und Mineralstoffen in unseren Lebensmitteln exakt nachweisen. Der Gehalt ist in den vergangenen 10 Jahren rapide zurückgegangen. Kalzium in Kartoffeln um über 70 Prozent und Vitamin C in Erdbeeren um über 67 Prozent. Schuld daran sind die Überdüngung der Ackerböden, zahlreiche Konservierungsmittel und – Methoden, der Einsatz von Pestiziden. Aber auch unsere hochtechnisierte Welt, in der wir ständig einer wachsenden Zahl freier Radikale ausgesetzt sind, gegen die der menschliche Körper noch keine ausreichenden Abwehrmechanismen entwickelt, wird zum Feind unserer Vitalstoffbilanz.

Wird unser Körper mit einem bestimmten Nährstoff ungenügend versorgt, so treten Mangelerscheinungen auf. Erste Anzeichen können Haarausfall, raue und rissige Haut oder auch Zahnfleischbluten sein. Die passende Dosis von Vitalstoffen sorgt dafür, dass selbst bei einem erhöhten Bedarf die Speicher in unseren Zellen wieder aufgefüllt werden. Nur so ist gewährleistet, dass der Körper reibungslos funktionieren kann. Physiologisch betrachtet benötigen Raucher, Schwangere, ältere Menschen, Kinder im Wachstum oder Personen mit erhöhtem Alkoholkonsum auf alle Fälle eine „Mehr“ an Vitalstoffen.

Inzwischen gibt es neuartige Untersuchungsmethoden, bei denen Blut, Urin sowie Haut- und Haarbeschaffenheit analysiert werden können. Die exakte Auswertung dieses Tests erfordert ebenso Erfahrung und Wissen wie die Kenntnis über Wirkmechanismen und Effekte.

Im rechtlichen Sinne zählen Nahrungsergänzungen nicht zu Arzneimitteln, sondern zu Lebensmitteln. Um so weniger ist es verwunderlich, dass es inzwischen ein unübersehbares Angebot frei verkäuflicher Vitamin- und Mineralstoffprodukte auf dem Markt gibt, auf die man aber nicht kritiklos zugreifen sollte. Bei der Auswahl empfiehlt es sich, auf Kriterien zu achten, wie beispielweise Konzentration der Inhaltsstoffe, Allergiepotential, Fehlen von Kochsalz, Zucker und Hefe sowie oft verwendeter Füllstoffe (Stärke, Mais, Soja und Weizen). Großes Augemerk sollte auf den Preis gelegt werden, denn so manches „Billigprodukt“ enthält wenig Inhalts- dafür aber zahlreiche Zusatzstoffe.

Auch die orthomolekulare Medizin hat ihre natürlichen Grenzen. Im Wesentlichen stellt sei eine komplementäre Methode dar und eine gute Grundlage, wenn es darum geht Krankheiten vorzubeugen oder zu behandeln. Um langfristig Gesundheit zu erlangen und zu bewahren, ist daneben der bewusste Umgang mit unserer „Lebensweise“ unumgänglich.

zuletzt aktualisiert am 8. August 2016 um 11:51 Uhr