Hormone und Brustkrebs

Hormone und Brustkrebs

Der Östrogen-Gestagen-Ersatz zur Behandlung von Wechseljahrsbeschwerden und zur Verhütung der häufigsten und bedrohlichsten Alterserkrankungen der Frau ist eines der am besten und am längsten untersuchten Behandlungsverfahren, die es in der modernen Medizin gibt. Es ist im Vergleich mit anderen Behandlungsmethoden oder anderen Möglichkeiten der medikamentösen Vorbeugung von Krankheiten und Leistungseinschränkungen bei sachgerechter Anwendung nebenwirkungs- und risikoarm.
Die Frage Östrogene und Brustkrebs wurde weltweit in mehr als 70 wissenschaftlichen Arbeiten der letzten Jahrzehnte eingehend untersucht. Dennoch ist zu diesem Thema viel Widersprüchliches geschrieben worden. Eine Abnahme, ein fehlender Einfluss oder eine geringe Zunahme des Risikos für Brustkrebs unter Östrogenen wurde jeweils angenommen. Diese Tatsache fehlender Übereinstimmung der Statistiken zeigt, dass eine wesentliche Zunahme von Brustkrebs unter einer Östrogeneinnahme nicht vorliegen kann.

Die Östrogen-Gestagen-Substitution über eine Zeit von 5 Jahren hat nach Übereinstimmung aller Untersucher keinen Einfluss auf die Brustkrebshäufigkeit.

Bei einer Einnahme von Östrogenen-Gestagenen länger als 5 Jahre („Langzeitsubstitution“) werden bedeutende Erkrankungen von Frauen in und nach den Wechseljahren, wie Osteoporose, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und die Alzheimer-Erkrankung in etwa der Hälfte der Fälle verhütet und dadurch eine vorzeitige Invalidität und Pflegebedürftigkeit, sowie ein vorzeitiger Tod verhindert. Durch die Bewahrung der geistigen Fähigkeiten, wie Konzentration, Erinnerungsvermögen, Namensgedächtnis und Wachheit unter einer Einnahme von Östrogenen wird die Würde der älteren Frauen bewahrt. Gleichzeitig wird die Möglichkeit gesichert, soziale Beziehungsmöglichkeiten zu anderen Menschen aufrecht zu erhalten und so Einsamkeit und Altersdepression zu vermeiden.

Bei einer Langzeiteinnahme von Östrogenen sprechen die vorliegenden weltweiten Untersuchungen über viele Jahrzehnte für folgende Tatsachen:
Unter langzeitiger Einnahme von Östrogenen und Gestagenen (= Gelbkörperhormon) über 10 Jahre wurde je nach Behandlungsführung und statistischer Aufbereitung teils eine geringe Zunahme, teils aber auch eine Abnahme und teils eine fehlende Beeinflussung der Häufigkeit des Auftretens von Brustkrebs gefunden.

Nimmt man einmal eine geringe Zunahme des Brustkrebsrisikos unter langzeitiger Östrogeneinnahme für gegeben an, so würde das Folgendes bedeuten:
Nach Einnahme von Östrogenen-Gestagenen über mehr als 10 Jahre würden über die immer von selbst auftretenden 60 Fälle (und mehr, je nach Lebensalter) hinaus, zwei weitere Brustkrebs-Fälle pro 1.000 Frauen pro Jahr zur Nachweisbarkeit durch Mammographie oder Tastuntersuchung gelangen. Die Einnahme von Östrogenen über 15 Jahre würde insgesamt sechs Fälle mehr pro 1.000 Frauen pro Jahr (bei insgesamt 43.800 Brustkrebs-Fällen in Deutschland) bringen.

Eine auf Kenntnis und Erfahrung gegründete und auf die Besonderheiten der betreffenden Frau eingehende Vorabfolgung der Hormone dürfte jedoch in der Lage sein, das Brustkrebsrisiko unter Östrogen-Gestagen auf die Rate der von selbst auftretenden Brustkrebsfälle zu senken.

Die Fragen um das Brustkrebsrisiko unter Östrogenen werden aber durch folgende Tatsachen zusätzlich zum Positiven hin beeinflusst:
Östrogeneinnahme gewährleistet einen günstigeren Verlauf des Brustkrebs (wenn er denn eintritt) und verhütet andere Krebserkrankungen des Unterleibs und des Dickdarms, so dass die Gesamtzahl der Krebsfälle unter eine langzeitigen Östrogenverabfolgung sogar niedriger zu liegen scheint als bei vergleichbaren Frauen, die keine Östrogene erhalten haben.

Tritt unter Einnahme von Östrogenen-Gestagenen ein Brustkrebs auf, so ist dieser im allgemeinen durchweg „gutartiger“ als bei vergleichbaren Fällen ohne Östrogeneinnahme: Der Gewebebefund (Histologie) ist weniger bösartig (infolge meist niedrigerer Einstufung = Grading.) Der Knoten ist meist kleiner als bei nicht mit Östrogenen behandelten Frauen und auf die Brust beschränkt, greift also nicht auf die Achsellymphknoten über und setzt meist keine Fernabsiedlungen im Körper (Metastasen). Fast immer findet sich bei mit Östrogenen behandelten Frauen ein positiver Östrogen-Gestagen Rezeptorbefund im Tumorgewebe als Zeichen einer günstigeren Behandlungs- und Heilungschance als bei nicht mit Östrogenen behandelten vergleichbaren Fällen.

Dementsprechend ist die Heilungsrate des Brustkrebses unter einer Östrogeneinnahme statistisch etwa 30 % besser als bei vergleichbaren Kontrollfällen. Ebenso ist auch die Sterblichkeit an Brustkrebs bei mit Östrogenen substituierten Frauen statistisch etwa 30 % niedriger. Die Lebensdauer bei unter Östrogenen auftretendem Brustkrebs ist länger als bei nichtbehandelten Frauen.

Da die langzeitige Östrogensubstitution das Risiko für Dickdarmkrebs (dritthäufigste Krebserkrankung bei Frauen) sowie auch für das Gebärmutter- und wahrscheinlich für das Eierstockkarzinom deutlich senkt, ist die Gesamtzahl der Krebserkrankungen bei Frauen unter langzeitiger Östrogen-Gestagen-Substitution insgesamt sogar vermindert.

Da die durch Östrogeneinnahme verhütbaren Erkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Osteoporose und Alzheimer-Erkrankung zusammen das 15-fache der Krebstodesfälle ausmachen und eine Langzeitsubstitution mit Östrogenen die Häufigkeit des Auftretens dieser Leiden etwa um die Hälfte vermindert, so sinkt die verhütbare, unnötige vorzeitige Sterberate in und nach den Wechseljahren zum Vorteil der Einnehmerinnen erheblich ab.

Sie selbst können zur Vorbeugung von Brustkrebs beitragen:

– Vermeidung der Belastung durch Umweltgifte und Schäden über
  Verhalten und Nahrungswahl
– Kalorieneinschränkung. Bei Übergewicht Gewichtsabnahme 
– Radikalenfänger: Nahrungswahl, z.B. Tomaten, Broccoli, Beerenfrüchte,
  Zwiebeln u.a. 
– Sojareiche Ernährung 
– Pflanzenöle bevorzugen 
– Zufuhr von Provitamin A, Vitamin C, E, Selen, Folsäure 
– Weniger tierische Fette. Bevorzugung von weißem Fleisch und Fisch 
– Ballastreiche Ernährung 
– Vermeidung von Alkohol und Rauchen 
– Empfehlung altersentsprechender sportlicher Aktivität 

Wichtig: Die regelmäßige Selbstuntersuchung der Brust.

zuletzt aktualisiert am 8. August 2016 um 11:51 Uhr